„Der Name ist ein Stück des Seins und der Seele.“*

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Schüler*innen des Berufskollegs Bethel setzen sich mit dem Thema Tod auseinander und unterstützen die „Initiative Unbedacht Verstorbene - Jeder Mensch hinterlässt eine Spur“.

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Das Berufskolleg Bethel veranstaltet in jedem Jahr vor den Herbstferien für alle Schüler*innen und Studierenden der Schule eine klassen- und bildungsgangübergreifende Projektwoche mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten und Themen. Eine Gruppe beschäftigt sich mit der „Initiative Unbedacht Verstorbene – Jeder Mensch hinterlässt eine Spur“. An jedem einzelnen Projekttag gibt es für die Teilnehmer*innen unterschiedliche Zugänge, sich von dem Thema Sterben und Tod berühren zu lassen und sich damit auseinanderzusetzen.

Zu Beginn des Projektes führt der Sozialpfarrer des evangelischen Kirchenkreises Bielefeld, Matthias Blomeier, die Gruppe in die Thematik ein. Am zweiten Tag werden im Gespräch mit Beate Dirkschnieder vom Haus Zuversicht, dem stationären Hospiz in Bethel, Fragen beantwortet sowie  Befürchtungen und Gedanken auf einer sehr persönlichen Ebene vertiefend fortgesetzt, indem der Zusammenhang von Leben und Tod und der Würde des Menschen deutlich wird. 

Es gibt Menschen in unserer Gesellschaft, auch in Bielefeld, die vereinsamt und ohne Angehörige sterben. Für diese Menschen ist es für die Behörden oftmals schwer, bestattungspflichtige  Angehörige ausfindig zu machen. Die Stadt Bielefeld übernimmt in solchen Fällen die Kosten der Bestattung auf einem anonymen Gräberfeld. Die „Initiative Unbedacht Verstorbene“ hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen einen würdigen Abschied mit Bestattung, einem Ort, den Trauernde besuchen können, und auch einer Anzeige in der Zeitung zu bereiten und arbeitet mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden zusammen. Die Schüler*innen des Berufskollegs beteiligen sich in ihrer Projektwoche an der Erinnerungsfeier für die unbedacht Verstorbenen auf dem Sennefriedhof. Dabei können sie nachvollziehen, dass mit dem Namen Erinnerungen verbunden sind, der Name zur Menschenwürde gehört oder - wie Thomas Mann sagt - „ein Stück des Seins und der Seele“ ist.

Alle am Projekt Beteiligten haben diese Woche als eine bereichernde Erfahrung erlebt. Das belegen die Aufzeichnungen der Schüler*innen, die sich berührt und nachdenklich äußern: „Ich fand das Projekt aufregend und interessant, denn ich habe viele neue Dinge über den Tod erfahren.“ Und eine andere Schüler*in schreibt: „Mir hat der Tag im Haus Zuversicht sehr viel mitgegeben. Ich finde es sehr schön, dass unheilbar kranke Menschen im Hospiz unter ihren Mitmenschen, also nicht alleine ihr Leben beenden müssen. Ich habe für mich noch mal aufrufen können, wie wertvoll jeder einzelne Tag ist und auch gelernt, dass viele unheilbar Kranke noch einen großen Lebenswillen haben.“ 

Text: Annelie Steinkühler / Andreas Cieslik-Eichert